Die PatientInnenstelle Zürich empfiehlt in jedem Fall, sich bei Unwohlsein nach einer Behandlung bei ihnen zu melden. Mario Fasshauer erklärt, dass die Stelle solchen Fällen nachgehe. “Wir nehmen in einem sensiblen Erstgespräch die Problematik durch eine medizinisch ausgebildete Fachperson auf. Im Anschluss prüfen wir die Indikation der Behandlung anhand der Schilderungen der PatientInnen. Weiterhin prüfen wir auch formale Aspekte wie beispielsweise den Behandlungsvertrag, die Aufklärung der PatientInnen und die Einwilligung. Die medizinische Beurteilung ist ein Kernelement bei uns.”, so Fasshauer. Ziel der Beurteilung sei immer auch, ob ein strafrechtliches Fehlverhalten vorliege.
Obwohl mir viele Frauen von offensichtlich übergriffigen Behandlungen berichteten, erstattete nur eine einzige Anzeige. Auch ich hatte kein einziges Mal einen Gedanken daran verschwendet, diese unangenehme Jahreskontrolle auf Fehlverhalten hin abzuklären.
Leider zeigen aktuelle Vorfälle wie das Urteil vom Appelationsgericht Basel, dass das Schweizer Strafrecht Opfer von sexuellen Übergriffen nicht genug schützt.
So erklärt Alexandra Müller von der Frauenzentrale die Tendenz, dass solche Übergriffe bei keinem Gericht landen.
Dennoch rät Müller Betroffenen juristisch gegen Ärztinnen und Ärzte vorzugehen. “Die Hemmschwelle für eine Strafanzeige ist selbstverständlich hoch, aber es ist wichtig, dass man schnell handelt, da Sexuelle Belästigung als Übertretung nach einem Jahr und die Strafe dafür nach drei Jahren verjährt” ‚so Müller. Die Frauenzentrale Zürich rät, sich bei Unwohlsein an eine Opfernhilfestelle zu wenden – auch wenn es sich um keinen sexuell übergriffigen Untersuch handelt.
Einige Tage vor der Geburt führte meine Gynäkologin eine Eipollösung durch — ohne jegliche Aufklärung oder Vorwarnung. Im Krankenhaus wurde ich, nachdem ich Cytotec zur Einleitung vehement abgelehnt habe, äusserst respektlos behandelt und war bei Ärzten und Hebammen unten durch. Ich wurde während den Presswehen von der Hebamme ausgelacht, in eine liegende Position gezwungen, gekristellert, und danach ohne lokale Betäubung genäht. Auf der Wochenbettstation wurde ich für den Gewichtsverlust von meinem Baby verantwortlich gemacht, das Stillen wurde mir (auch auf wiederholtes Bitten hin) nie gezeigt, und ich wurde von der Schwestern öfter grob zurechtgewiesen. Furchtbar.
Karin
Meine Niederkunft verlief zunächst ganz toll. Ich erinnere mich, wie glücklich ich darüber war, so gut mit den Wehen zurechtzukommen. Als ich in der Pressphase war, riefen die Hebammen meinen Belegarzt dazu. Er kam herein, machte als erstes das grelle Licht an, gab mir geschäftig die Hand zum Gruss, obwohl ich gerade inmitten einer Presswehe war und befahl sofort, dass man die Glocke bereitlegen sollte. Ich habe nicht verstanden, was gerade passiert. Der Arzt führte mir dieses Vakuum-Dings ohne Vorwarnung ein und riss mir mein Baby aus dem Leib. Auch im Nachgespräch mit der Hebamme konnte mir niemand erklären, ob es nur ansatzweise eine medizinische Notwendigkeit für den Eingriff gab. Die Art und Weise wie dieser Eingriff geschehen ist, hat mir das Vertrauen aber total genommen.Anonym
Bei der Geburt meines Kindes wurde irgendwann entschieden, dass ich einen Kaiserschnitt brauche. Man bereitete mich in dem OP-Raum vor und ich sagte immer wieder, dass meine Narkose nicht wirklich funktionierte. Man nahm mich nicht ernst. Noch nie habe ich solche Schmerzen gehabt, wie da, als man mir während der Geburt meines Kindes den Bauch aufschnitt. Meriam H.
Auch ich beschloss, die Opfernhilfe zu kontaktieren und mich zu erkundigen, was Betroffene tun können, die nicht sexuell übergriffig untersucht wurden sondern andersartige geschlechtsspezifische Gewalt in einem medizinischen Kontext erfahren haben, so eben auch Gewalt unter der Geburt.